KMPA Diagnostik

Da keines der Symptome spezifisch für KMPA ist und es – abgesehen von Provokationstests – keine sensitiven Diagnosen gibt, ist die Abklärung schwierig.

Da keines der Symptome spezifisch für KMPA ist und es – abgesehen von Provokationstests – keine sensitiven Diagnosen gibt, ist die Abklärung schwierig.

Gastrointestinale Manifestationen sind unspezifisch und können verschiedene Ursachen haben. Deshalb besteht die Herausforderung in einer korrekten Diagnose. Ohne eine angemessene diagnostische Abklärung, einschließlich eines Nahrungsmittelbelastungstests, besteht ein hohes Risiko sowohl einer Über- als auch Unterdiagnose. Beides ist problematisch. Wird eine Kuhmilchproteinallergie nicht erkannt, wird dem Kind nicht geholfen, die Symptome können sich verschlechtern und Wachstum und Gedeihen beeinträchtigt werden. Ist die Diagnose falsch, bekommt das Kind ohne Grund eine restriktive Diät und das Kind und seine Familie werden unnötig belastet. Eine klare, evidenzbasierte Leitlinie ist deshalb im Interesse aller. KMPA ist mit Hühnerei der häufigste Allergieauslöser in der frühen Kindheit. Eltern erkennen sie bei ihren Kindern weit öfter als sie durch orale Nahrungsmittelbelastungstests nachgewiesen werden kann. Der Höhepunkt des Auftretens einer echten KMPA liegt allerdings im ersten Lebensjahr.

Bei Diagnose kann die Guideline der ESPGHAN Orientierung bieten. Die wichtigsten Aspekte:

  • Kuhmilchproteinallergie kann eine vielfältige Form von Symptomen in unterschiedlich starker Ausprägung hervorrufen.
  • In den meisten Fällen muss die Diagnose durch eine Allergen-Elimination und einen Nahrungsmittel-Provokationstest bestätigt bzw. ausgeschlossen werden.
  • Ohne eine angemessene diagnostische Abklärung, einschließlich eines Provokationstests, besteht ein hohes Risiko sowohl einer Über- als auch Unterdiagnose.

Koletzko S et al.: Diagnostic Approach and Management of Cow‘s-Milk Protein Allergy in Infants and Children: ESPGHAN Gl Committee Practical Guidelines. JPGN 2012; 55: 221–229

Prävalenz von Nahrungsmittelallergien

Kuhmilchproteinallergie kann eine vielfältige Form von Symptomen in unterschiedlich starker Ausprägung hervorrufen. Es ist hilfreich, zwischen „sofortigen“ (frühen) und „verzögerten“ Reaktionen zu unterscheiden. Sofortige Reaktionen erfolgen innerhalb von 2 Minuten bis 2 Stunden nach Aufnahme des Allergens und sind eher IgE-vermittelt, während die verzögerten Reaktionen bis zu 48 Stunden oder sogar einer Woche nach der Allergen-Aufnahme erfolgen. Auch Kombinationen aus sofortigen und verzögerten Reaktionen auf dasselbe Allergen können beim gleichen Patienten auftreten. Zu beachten ist zudem, dass nichtallergische Reaktionen KMPA imitieren können. Symptome und Anzeichen von KMPA können viele unterschiedliche Organe betreffen, hauptsächlich kommen aber gastrointestinale, respiratorische und Haut-Symptome vor. Das Auftreten in mehr als zwei Organen erhöht die Wahrscheinlichkeit einer KMPA. Auch wenn einige Symptome bei Kindern mit einem positiven Testergebnis auf KMPspezifisches IgE wahrscheinlicher auftreten, gibt es eine große Überlappung. Die gleichen Symptome können sich sowohl bei KMP IgE-positiven wie IgE-negativen Patienten zeigen, besonders bei Kindern mit gastrointestinalen Manifestationen (z.B. allergischer Proktitis oder Proktocolitis).

In den meisten Fällen muss die Diagnose durch eine Allergen-Elimination und einen Belastungstest bestätigt bzw. ausgeschlossen werden. Abhängig von den Symptomen, der Krankengeschichte und dem Alter des Kindes können diese als offene, Einfach- oder Doppelblindtests durchgeführt werden.

Die so genannte Eliminationsdiät gilt weitgehend als Standard. Zur Durchführung dieser Eliminationsdiäten stehen Diagnostik-Sets zur Verfügung.

Für die klinische Praxis sind die Bestimmung des spezifischen IgE in einer Blutprobe und ein Haut-Prick-Test (SPT) sinnvolle diagnostische Tests. Beide Tests durchzuführen, ist aber nicht nötig. Je höher der Antikörper-Titer und je größer der Duchmesser der SPT-Reaktion, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer KMPA und die Dauer ihres Auftretens. Dennoch ist ein oraler Nahrungsmittelbelastungstest in den meisten Fällen nötig. Kinder mit gastrointestinalen KMPA-Manifestationen haben häufiger ein negatives IgETestergebnis, verglichen mit Patienten, die Hautreaktionen zeigen.

Aber ein negativer Test schließt eine KMPA nicht aus. Unter Umständen – wenn die Wahrscheinlichkeit einer KMPA bereits sehr hoch ist oder der Test zu riskant wäre (z.B. bei bereits aufgetretener Anaphylaxe) – kann darauf verzichtet werden.

Koletzko S et al.: Diagnostic Approach and Management of Cow‘s-Milk Protein Allergy in Infants and Children: ESPGHAN Gl Committee Practical Guidelines. JPGN 2012; 55: 221–229

Optimierter Diagnose-Blick auf KMPA – Formular „CoMiSS“

Formular CoMiss

Im Rahmen eines Workshops mit erfahrenen internationalen Fachärzten für Kinder mit gastrointestinalen (GI) Problemen bzw. atopischen Erkrankungen wurde ein Symptomscore für die verbesserte Wahrnehmung von Kuhmilchproteinallergien in der Praxis entwickelt.

Dieser „Cow‘s Milk-related Symptom Score“ (CoMiSS), der Allgemeinsymptome wie Schreien, dermatologische, gastrointestinale und respiratorische Symptome berücksichtigt, bietet Kinder- und Jugendärzten ein einfaches, schnelles und leicht zu nutzendes Mittel zur Wahrnehmung von Symptomen, die im Zusammenhang mit einer KMPA stehen können. Er kann auch dazu dienen, die Entwicklung von Symptomen während therapeutischer Interventionen zu evaluieren und quantifizieren, ersetzt aber nicht die Diagnose und einen Nahrungsmittelbelastungstest.

Vandenplas Y et al.: A workshop report on the development of the Cow’s Milk-related Symptom Score awareness tool for young children. Acta Paediatrica , 2015 - doi: 10.1111/apa.12902

Link: Formular „CoMiss“

Diagnose KMPA – How big is the gap between medical best-practice and reality?

Vortrag von Prof. Dr. med. Sibylle Koletzko

Die europäischen Gesellschaften für Pädiatrische Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung (ESPGHAN) sowie für Allergie und Klinische Immunologie (EAACI) schlagen auf der Grundlage aktueller Kenntnisse diagnostische Maßnahmen zur KMPA vor, bei denen das Alter des Patienten und die jeweilige klinische Manifestation berücksichtigt werden. Frau Professor S. Koletzko informiert über Ergebnisse einer fallbasierten Studie in verschiedenen europäischen Ländern, zu der insbesondere Kinderärzte befragt wurden.

Weitere Informationen zu „CoMiSS“

CoMiss Folder

Link: „CoMiss“ Folder (PDF)

Neue CME zu Kuhmilchproteinallergie (KMPA) jetzt online

KMPA Diagnose

 

Die KMPA ist die häufigste Nahrungsmittelallergie bei Säuglingen. Die Symptome sind vielfältig und oft unspezifisch und daher nicht immer leicht zu erkennen. Goldstandard für die Diagnose ist die Eliminationsdiät mit anschließendem oralen Provokationstest. Der von einer internationalen Expertengruppe entwickelte Cow's Milk related Symptom Score (CoMiSS) kann die Diagnosestellung unterstützen. Für 90% der betroffenen Säuglinge ist eine Therapie mit einer Spezialnahrung auf Basis von extensiv hydrolysiertem Protein geeignet. Ca. 10% benötigen eine Spezialnahrung auf Basis von Aminosäuren. Nach dem Absolvieren dieser Lerneinheit sind Sie sensibilisiert für die Symptome einer KMPA und deren Folgen, Sie kennen das diagnostische Vorgehen und die Therapieoptionen.

 

Zur CME gelangen Sie über www.springermedizin.de/cme-mit-partnern/10209654

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KMPA-Management: Therapie